Die Qualitätslüge: Einkaufen mit Nebenwirkungen

7. September 2009 von Nat

Qualität zum kleinen Preis. Wer zahlt für uns drauf?

die qualitaetsluege cover photo photo

Textil Schnäppchen-Oasen, 99 Cent Läden und Lebensmittel-Discounter. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden und selbst 3 Sterne Köche wie Dieter Müller sind sich inzwischen nicht mehr zu schade, ihr 10 Gänge Menü Lächeln auf Plakaten für Lidl herzugeben. ‘Genuss mit Stern’, so der Titel der Kampagne. Nun, 1 Stern mag man ja für die Tatsache vergeben, dass es bei Lidl überhaupt frische Ananas gibt. Wer sie bereits probiert hat, weiß allerdings, dass die anderen beiden Sterne genauso weit hergeholt sein dürften wie die Ananas.

‘Gute Qualität zum günstigen Preis’ – Gut scheint ein sehr dehnbarer Begriff zu sein, denn zwischen den frischen, roten Tomaten, die sich nach dem Aufschneiden als mehlig, geschmacksneutral und wässerig erweisen, und den passierten Tomaten, die sogar von Ökotest mit sehr gut bewertet wurden, liegen Welten. Doch im Buch des Autoren-Teams Annette Sabersky und Jörg Zittlau geht es nicht um diese Art der offensichtlichen Qualitätsdefizite, sondern vor allem um die Schicksale hinter den Produkten. Wer zahlt drauf für unsere vermeintlichen Qualitäts-Schnäppchen?

Wie wichtig uns die Menschenrechte sind, entscheidet sich am Grabbeltisch

Die Qualitätslüge: Einkaufen mit Nebenwirkungen photo legt den Finger auf die Wunde und wirft einen kritischen Blick auf die schlechten Arbeitsbedingungen, die hierzulande die kleinen Preise ermöglichen. Herausgekommen ist dabei fast so etwas wie eine kleine Horror-Kurzgeschichten-Sammlung, bei der das Erschreckenste wohl die Erkenntnis ist, dass jede Geschichte wahr ist. Vom Rosenstrauß zum Valentinstag, der verantwortlich für die Unfruchtbarkeit vieler kolumbianischer oder ecuadorianischer Arbeiterinnen ist, bis hin zum eigenen Handy Akku, für den Kindern in den Bergwerken vom Kongo und Sambia die Rohstoffe abbauen.

Echte Qualität vom Rohstoff bis zum Endprodukt ist für Verbraucher kaum noch zu erkennen. Das ist auch Annette Sabersky und Jörg Zittlau klar, daher führen sie neben den exemplarischen schwarzen Schafen eine Reihe von Firmen auf, die damit angefangen haben, die Produktionsbedingungen zu verbessern. Sie erläutern außerdem Labels und Siegel, auf die man sich heute bereits guten Gewissens verlassen kann.

Beiträge, die Sie ebenfalls interessieren könnten:

Posted in Publikationen, Verbraucherschutz, Wissen

1 - Schreiben Sie doch auch einen »

  1. Dieter R.

    Vielleicht darf ich auch noch die häufig miesen Arbeitsbedingungen für das Personal in diesen Discounterläden erwähnen, Schlecker und Lidl machen ja diesbezüglich immer wieder auf sich aufmerksam.

    Heimliche Kontrolle von Mitarbeitern, unbezahlte Überstunden, Bereitschaftsdienste in der verbleibenden (offiziellen) Freizeit, geheimgehaltene Unterdrückungsstrategien, Arbeitsanweisungen und Dienstvorschriften, die eher einer Gehirnwäsche gleich kommen als einem fair geregelten und gleichberechtigten Umgang mit den Mitarbeitern.

Kommentar schreiben

Falls Ihr Beitrag mehrere Links enthält, erscheint er nicht gleich, da er vor der Veröffentlichung von uns geprüft wird. Auch wir müssen uns vor Spam schützen. Wir bitten um Verständnis.

Über einfach grün


Wenn Sie der festen Überzeugung sind, dass es sich lohnt, quantitativ Abstriche zu machen um qualitativ bessere Lebensmittel zu erhalten, dann sind Sie hier genau richtig.

Hier finden Sie aktuelle Nachrichten zu Bio Trends, Hinweise auf Betriebe, die nach traditionellen Rezepten zubereiten, die Slow Food Bewegung sowie politische Entscheidungen und Initativen rund um das Thema Ernährung und Verbraucherschutz.

Ich wünschen Ihnen einen genüsslichen Aufenthalt.