Nur Frischmilch schmeckt wie Frischmilch
ESL-Milch und H-Milch geschmacklich nur 2. Klasse

Fotografin: Angela L. – www.pixelio.de
Haltbarkeit ist nicht alles. Der Geschmack echter Frischmilch wird bei sensorischen Tests im Vergleich mit ESL-Milch, die bei der Herstellung wesentlich länger erhitzt wird, klar bevorzugt. Das fand jetzt das Max Rubner-Institut heraus, dass den Vitamingehalt von ESL-Milch im Vergleich zu Frischmilch prüfte.
“Die Ergebnisse der Vitaminbestimmung bei ESL-Milch lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass die vorliegende Studie – im Vergleich zu kurzzeiterhitzter Milch – keinen Hinweis für niedrigere Konzentrationen an Vitaminen in ESL-Milch erbracht hat”, so das Fazit des Instituts nach der Untersuchung von 30 Milchproben von 17 verschiedenen Herstellern.
Die Kieler Forscher stellten außerdem fest, dass auch mikrobiologisch und hygienisch keine nennenswerten Unterschiede zwischen Frischmilch und ESL-Milch bestehen. Den geschmacklichen Unterschied führen Sie auf den jeweiligen Grad der Denaturierung der Molkenproteine und den Furosin-Gehalt zurück. Beides Eigenschaften, die zur analytischen Differenzierung von Milchsorten geeignet sind.
Doch auch wenn ESL-Milch von vergleichbarer Qualität wie Frischmilch ist, muss sie als ESL-Milch gekennzeichnet werden. Derzeit wird sie in vielen Supermärkten als Frischmilch “extra lange frisch”, “länger frisch” oder “maxi frisch” geführt und auch zum selben Preis angeboten. Die Bundeszentrale für Verbraucherschutz überprüfte 650 Milchpackungen aus 80 verschiedenen Lebensmittelgeschäften mit dem Ergebnis, dass nur ein Drittel korrekt gekennzeichnet waren und in 29 von 80 Geschäften war überhaupt keine Frischmilch mehr erhältlich.
Kurzum: Wieder ein Mal sind die detektivischen Fähigkeiten des Verbrauchers gefragt, um die Qualität zu erhalten, für die man auch gezahlt hat. Vielleicht ist es Zeit, sich auf alte Traditionen zu besinnen und den Milchmann seines Vertrauens zu bestellen. Ja, den gibt es immer noch, und das sowohl für Bio als auch konventionelle Milch.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bundeszentrale für Verbraucherschutz.
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Posted in Gourmet und Slow Food, Verbraucherschutz

2. August 2009 um 01:12 Uhr
Da kann noch soviel herumgedoktort und analysiert werden, sie werden einfach nicht das Geheimnis dieses feinrahmigen und sämigen Geschmacks eines frischgezapften Direktsaftes aus dem Euter lüften können. Das ist für mich genauso wie mit dem einmaligen Schmelz einer Lindt-Schokolade – auch da schafft es kein noch so gutes Labor, diesen einzigartigen Geschmack nachzuahmen oder wissenschaftlich zu erklären. Gut, zugegebenermaßen hinkt dieser Vergleich etwas, weil ersteres ja von Mutter Natur produziert wird, und Mutter Natur ist eben die weltbeste Mama, die es gibt!
8. August 2009 um 19:29 Uhr
Ob Sie es schaffen können oder nicht, ist für mich vielfach gar nicht die relevante Frage, sondern viel eher, wer solche Produkte wie zum Beispiel Schinken-Imitate überhaupt will? Diese Produkte leben doch im Grunde nur davon, dass viele Verbraucher die Zutatenliste entweder nicht lesen oder nicht interpretieren können. Interessant sind sie nur für die Industrie, um Kosten zu senken, Gewinne zu maximieren und Konsumenten zu locken, die eben nur auf den Preis schauen.
Die ESL-Milch finde ich im Grunde gar nicht verwerflich, wenn sie als solche deklariert würde und der Konsument damit eine echte Wahl zwischen Frischmilch, ESL-Milch und H-Milch hätte. Für Verbraucher, die nur 2 Mal in der Woche zum Müsli greifen oder nur Sontags Mal einen Kakao trinken wollen, kann eine länger haltbare Milch, die trotzdem nicht gleich eine H-Milch ist, durchaus sinnvoll sein. Es ist der Etiketten-Schwindel und die klammheimliche Verdrängung der echten Frischmilch, die ich besorgniserregend finde.