Delikatesse oder Corpus Delicti?

12. Juli 2009 von Nat

Erste Negativ-Liste für Lebensmittel-Imitate erschienen

surimi photo
Fotografin: Angela Huth – www.aboutpixel.de

Kunstkäse, Schinken-Schummel und Garnelen-Imitate, eher liebevoll Surimi genannt: Astronauten-Nahrung scheint heute an jeder Ecke auch für normal Sterbliche erhältlich zu sein. Houston, wir haben ein Problem! Zum Glück hat sich die Verbraucherzentrale Hamburg des Problems angenommen und eine Plagiatliste veröffentlicht. Doch was sich auf dieser Liste so findet, dürfte auch alte Einkaufshasen überraschen.

Für gutes Geld gibt es gute Ware. Diese Meinung ist unter Verbrauchern durchaus verbreitet, aber die Negativ-Liste der Verbraucherzentrale zeigt, dass diese Faustregel ihre Berechtigung verloren hat. Die Firma Lorenz zum Beispiel, die dem ein oder anderen durch Crunchips, NicNac’s oder Erdnusslocken bekannt sein dürfte, bietet auch Wasabi Erdnüsse an. Was auf der Website mit 100% Qualität bei 100% Schärfe angepriesen wird, enthält in Wahrheit gar keinen Wasabi.

Hinter dem Käse “Combi Weiß in Salzlake 50% Fett” von EfeFirat Feinkost, deren Produkte hauptsächlich in arabischen Feinkostläden angeboten werden, verbirgt sich Analog-Käse, der höchsten aus Schafswolle aber bestimmt nicht aus Schafsmilch hergestellt wurde. Dabei heißt es doch auf der Website so schön: Tradition. Frische. Gespür! Gespür? Wohl eher eine Spurensuche für Verbraucher, denn viele von uns besuchen den Gemüseladen mit orientalischem Flair doch vor allem, weil wir dort den besten Schafs- und Ziegenkäse vermuten und nun soll es faule Äpfel im fernöstlichen Obst und Gemüse Paradies geben?

Auch was Bio-Produkte betrifft zeigt sich, dass man nur im Bioladen auch Bio-Qualität gemäß Bio-Kodex erwarten kann. Die Leitsätze für Brot und Feingebäck des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sehen bei Vollkornbrötchen einen Vollkornmehl-Anteil in Höhe von 90 Prozent vor. Die Bio-Vollkorn-Toastbrötchen von Proback (Aldi Nord) bieten gerade Mal 60 Prozent und helfen bei der Farbe ordentlich mit Gerstenmalzsirup nach.

Der Supermarkt wird immer mehr zum kleinen Horrorladen. Es ist offensichtlich an der Zeit, dass auch die Verbraucher die Hersteller Mal das Gruseln lehren, indem sie die betroffenen Produkte nicht mehr kaufen und sich über foodwatch und die Verbraucherzentralen Gehör verschaffen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Verbraucherzentrale Hamburg.

Liste der Lebensmittel-Plagiate der Verbraucherzentrale Hamburg als PDF
Leitsätze des BMELV für Brot und Feingebäck als PDF

Posted in Ernährung, Politik, Verbraucherschutz

4 - Schreiben Sie doch auch einen »

  1. Dieter R.

    Zitat:Die Bio-Vollkorn-Toastbrötchen von Proback (Aldi Nord) bieten gerade Mal 60 Prozent und helfen bei der Farbe ordentlich mit Gerstenmalzsirup nach.

    Hihi, das erinnert mich gerade an meine ganz wilden Jahre als Junggeselle. Ein Kumpel und ich haben just for fun Pfannkuchen gebacken und diese mit Asbach uralt und Cola aufgepimpt. Die Dinger sahen schön vollwertig aus und schmeckten sogar noch weit aus besser.

  2. Nat

    Die sahen offensichtlich nicht nur vollwertig aus, die waren auch VOLLwertig oder sollte ich vollprozentig sagen?

  3. Dieter R.

    mmmhhhmmm, ja, da waren schon ein paar so richtig schön fett mit Alkohol und Butterschmalz kontaminierte Lappen dabei, die hätten dem ein oder anderen durchaus den amtlichen Lappen zur motorisierten Fortbewegung kosten können. *grins

    Und je später der Abend, desto kühner und höher verliefen die Flugbahnen dieser Eierfrisbyscheiben beim Wenden, hehe…!

    Hoffentlich geht das noch gerade so als Non-Spam durch ;-)

  4. Nat

    Da es sich um biologisch abbaubare Flugobjekte handelte… gerade noch so.

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