EFSA erklärt Klonfleisch für unbedenklich
Dolly demnächst auch im Supermarktregal?

Fotograf: Frugola – www.aboutpixel.de
Bald könnte das Fleisch auf unserem Teller tatsächlich so einheitlich sein wie das Formfleisch der Fastfood-Ketten, denn wenn es nach dem Willen der Agrarminister der EU-Mitgliedsstaaten geht, soll das Fleisch der Nachfahren geklonter Zuchttiere für den Handel freigegeben werden. Der entsprechende Vorschlag zur Neufassung der Novel Food Verordnung wurde Ende Juni vorgelegt.
Die Agrarminister haben sich für die Neufassung der Verordnung eine Gesetzeslücke zu Nutze gemacht, denn nach aktuellem Gentechnikrecht benötigen nur Lebensmittel, die direkt von geklonten Tieren stammen, eine Zulassung für die Vermarktung.
Bisher werden hauptsächlich Tiere für Zuchtzwecke geklont. Da sich der Klonprozess nur rentiert, wenn zumindest Produkte aus dem Fleisch der Nachkommen ohne Zulassung vermarktet werden dürfen, lag eine entsprechende Regelung nahe. In den USA ist der Handel bereits freigegeben, so dass die Mechanismen des Welthandels auch eine Rolle gespielt haben dürften.
Die Agrarminister haben sich damit über eine Reihe von Vorschlägen des Europaparlaments hinweggesetzt. So auch über die Forderung, Produkte von Tieren, die mit genetisch veränderten Saaten gefüttert wurden, zu kennzeichnen. Eine Forderung, der Greenpeace mit der Aktion “Der Cent macht’s – Milch ohne Gentechnik” bereits Nachdruck verliehen hatte. Sofern das Europaparlament die Neufassung in zweiter Lesung nicht ablehnt, würde es also nicht lange dauern, bis uns alle Fleisch von Tieren erreicht, bei denen mindestens ein Elternteil geklont wurde.
Doch wozu all die Aufregung? Schließlich werden hier doch nicht Kühe mit Fröschen gekreuzt, damit Kühe auch im Sumpf weiden können, sondern es geht doch vor und nach dem Klonen um eine einfach Kuh. Ja und Nein, im Grunde geht es um die Industrialisierung eines Lebewesens. Die Kuh wird zur Super-Kuh, zur austauschbaren Mega-Milchmaschine. Das ist kein neuer Trend, die Frage ist nur: Wollen wir diesen Trend immer weiter fortsetzen, Artenvielfalt und das Wohl der Tiere gänzlich hinter uns lassen, um durch unsere Milchseen zu schwimmen und Butterberge zu erklimmen oder ist nicht Qualität, ein fairer Milchpreis und Artenvielfalt ein viel attraktiveres Ziel?
Dazu kommt, dass der Klonprozess selbst höchst fehleranfällig ist. “Nur fünf Prozent aller Klonversuche sind erfolgreich – die meisten so geborenen Tiere sind krank und erleiden Schmerzen,” so Bärbel Höhn (Grüne). Klonfleisch. Braucht man das? Will das der Verbraucher? Will ich das? Ich werde diese Frage in mir noch etwas zu Sahne schlagen, während ich genüsslich ein Glas Hemme Milch trinke. Denn die Jungs liefern noch echte Frischmilch statt ESL-Milch und das sogar in der Pfandflasche.
Ach ja, wer sich nun ärgert, dass er nicht zur Europa-Wahl gegangen ist, um dererlei zu verhindern, sollte sich schon Mal die Bundestagswahl am 27. September vormerken und den BUND-KandidatInnencheck machen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website Gennfood? Nein Danke.
Faz.net: EU-Staaten ebnen Weg für Klonfleisch
Faz.net: EU-Behörde: Klonfleisch ist unbedenklich
Faz.net: Aigner verteidigt EU-Plan
Posted in Gentechnik, Politik
