Kunstschinken statt Kochschinken
Nach dem Analog-Käse nun der Analog-Schinken?

Fotograf: Peter Smola – www.aboutpixel.de
Traurig aber wahr, in Gastronomie und Handel werden aus Kostengründen zunehmend Schinken-Imitate verwendet. Der künstliche Kochschinken besteht laut Mark Weinmeister (CDU), Staatssekretär im hessischen Landwirtschaftsministerium, hauptsächlich aus schnittfestem Stärke-Gel, in das kleine Fleischstücke eingebettet sind. Der Fremdwassergehalt sei im Vergleich zu echtem Schinken sehr hoch, der von tierischem Eiweiß hingegen extrem niedrig.
Der Schinkengehalt beim Kochschinken ist seit mehr als 15 Jahren rückläufig und beträgt teilweise weniger als 60 Prozent.
Seit 2006 wurden in Hessen 528 Schinken-Proben bei Gastronomen, Herstellern und Händlern genommen. Bei fast einem Drittel der Proben handelte es sich um künstlichen Schinken. Vor allem im Restaurants werden die Imitate gern eingesetzt. Zwei Drittel des für Schinken-Pizza oder Schinken-Nudeln verwendeten Kochschinkens stellte sich als Imitat heraus.
“Das ist üble Verbrauchertäuschung. Wer Mogel-Schinken ohne ausreichende Kennzeichnung in Verkehr bringt, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Bei nachgewiesenem Vorsatz liegt sogar eine Straftat vor”, so Weinmeister. Das Ministerium kündigte eine Kennzeichnungspflicht ähnlich der für Analog-Käse an. Jedem, der das Imitat wiederholt ohne korrekte Kennzeichnung verwende, drohe die Veröffentlichung seines Namens im Internet.
Fazit: Käse ist kein Käse und Schinken kein Schinken mehr, dennoch führen auch die Imitate zu echtem Hüftgold. Hätte man da neben Käse und Schinken nicht wenigstens noch ein paar Kalorien einsparen können, wenn man schon beim Sparen ist?
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der Website von Foodwatch.
SPIEGEL online: Gastwirte täuschen Kunden mit Schinkenimitat aus Stärke-Gel
Focus online: Analog-Käse und Schinken-Imitate
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Posted in Ernährung, Politik, Verbraucherschutz

4. Juli 2009 um 12:06 Uhr
Würde man nun noch die “eingebetteten kleinen Fleischstückchen” weglassen könnte man die Pizza Schinken mit Extra-Käse auch ohne Probleme an Veganer verkaufen. Oder zumindest an Vegetarier. Das würde zusätzlich zur Kosteneinsparung einen breiteren Markt erschliessen. Und alle wären happy, da dieses happy Meal ja auch noch günstiger ist als aufwändige Tofusojaspezialanfertigungen. Oder nicht?
8. Juli 2009 um 14:43 Uhr
Wahrscheinlich handelt es sich um eine Verschwörung. Nachdem wir durch das Fernsehen verdummt wurden, sollen wir uns nun an die vegetarische Kost gewöhnen, damit die genetisch verbesserten Kühe die Weltherrschaft an sich reißen können.
“Die Milch macht ’s” – der Slogan kam mir schon immer verdächtig vor =0)
16. Juli 2009 um 12:03 Uhr
Am meisten schockt mich diese massive Verbreitung von dem ganzen Schwindel. Bisher habe ich in meinem Leben ja immer nur an einzelne schwarze Schäfchen geglaubt, aber diese scheinen sich ja rasant zu vermehren.
16. Juli 2009 um 19:26 Uhr
Gerade beim Kochschinken war diese unerfreuliche Entwicklung den Behörden schon lange bekannt, wurde allerdings eher als rügenswerte Unschönheit gehandhabt wie es scheint. Dass Lebensmittel-Imitate allgemein derzeit im TV groß rauskommen, ist eher ein Zufall. Nachdem der Bericht von Frontal 21 über Analog-Käse so große Wellen schlug, sind viele Magazine auf den Zug aufgesprungen und manchmal findet sich eben doch ein findiger Reporter, der feststellt: “Momentmal, den gleichen Schummel gibt ’s beim Schinken ja auch” und schon hat man das Gefühl sämtliche Imitate wären am selben Tag zum ersten Mal im Regal aufgetaucht.
Sicherlich ist es begrüßenswert, wenn solche Themen eben auch in der Johannes B. Kerner Show thematisiert werden, aber die Show wird sich kaum zum Verbrauchermagazin entwickeln. Wer konstant Informationen zum Thema Lebensmittel und Verbraucherschutz sucht, ist da doch bei Foodwatch besser aufgehoben – oder vielleicht sogar bei einfach grün?